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Zukunft des Car-Sharing

Ein neues Forschungsvorhaben des Wuppertal Instituts

In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt macht das Wuppertal Institut die Zukunft des Car-Sharing in Deutschland zum Thema. Die Forscherinnen und Forscher untersuchen, wie die längerfristigen Chancen der derzeit von großen Car-Sharing-Anbietern verfolgte Expansion des Konzeptes "organisiertes Autoteilen" abzuschätzen sind. Dabei wird entsprechend der Orientierung des Institutes auf Nachhaltigkeitsfragen vor allem die Frage untersucht, wie sich – sollte die angestrebte Marktausweitung gelingen – die heutige grundsätzlich positive ökologische Bilanz von Car-Sharing erhalten lässt.

In dem von Ernst Ulrich von Weizsäcker, dem Gründungspräsidenten des Wuppertal Instituts, Mitte der 90er Jahre formulierten Konzept "Faktor vier: Doppelter Wohlstand – halbierter Naturverbrauch" stellt Car-Sharing eines der Modelle für umweltschonende Güter und Dienstleistungen dar. Durch die Nutzung von Gemeinschaftsautos anstelle eigener Automobile werden nicht nur Fahrzeuge eingespart, die Mitglieder fahren insgesamt auch insgesamt weniger Kilometer als mit eigenen Autos. Der Energieverbrauch und die ökologisch belastenden Emissionen können dadurch deutlich reduziert werden.

Car-Sharing gilt als wichtige ökologische Alternative zum eigenen Auto in dem ansonsten die Umwelt zunehmend belastenden Verkehrsbereich. Verschiedene Anbieter wurden inzwischen mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel" ausgezeichnet. Allerdings liegen bisher die Kundenzahlen trotz der Zuwächse in den letzten Jahren noch weit unter den erhofften Potenzialen.

In jüngster Zeit zeichnet sich ein Wandel des Car-Sharing-Systems ab. Große Anbieter wie die Deutsche Bahn wollen ein modernes, technisch hochwertiges Angebot aufbauen und mit einem professionellen Marketing verbinden. Vor allem durch den Einsatz von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sollen Car-Sharing-Fahrzeuge zukünftig fast so flexibel nutzbar sein wie das eigene Auto. Auf der Nachfrageseite wird eine Marktöffnung angestrebt; angesprochen werden sollen möglichst viele Kunden außerhalb der stark ökologisch motivierten "Pionier-Milieus".

"Wenn die neuen Angebotsstrategien erfolgreich sind", so Georg Wilke, "könnte das allerdings die bisher uneingeschränkt positive Öko-Bilanz von Car-Sharing verändern. Car-Sharing-Fahrzeuge könnten dann von Neukunden verstärkt für zusätzliche Automobilität genutzt werden: Etwa als günstiger 'Zweitwagen', den man nicht hat und den man auch nicht anschaffen würde, als 'Fun-Fahrzeug' in der Freizeit, oder – womit übrigens schon geworben worden ist – um einfach mal ein anderes als das gewohnte eigene Auto zu fahren. Zu beobachten ist auch, dass immer mehr große, mit viel Komfort ausgestattete und damit weniger verbrauchsarme Fahrzeuge in die Flotten gestellt werden, um stärker als bisher auch Geschäftskunden anzusprechen. Die Auswirkungen dieser Veränderungen wollen wir erforschen."

Den zweiten Schwerpunkt der Untersuchung bildet das Car-Sharing für Geschäftskunden, die von den Car-Sharing-Organisationen neuerdings vermehrt mit besonderen Business-Angeboten umworben werden. Derzeit greifen Betriebe vorwiegend auf ihnen vertraute Produkte wie den Firmenwagen oder den Mietwagen zu. Ende 2001 kamen lediglich rund 10 % der Nutzungsberechtigten aus Unternehmen, Behörden und Non-Profit-Organisationen. Auch für die Forschung ist Car-Sharing für Geschäftskunden weitgehend Neuland. Inwieweit mit den absehbaren technischen und strategischen Innovationen von Car-Sharing eine deutlichere Ausrichtung auf den Geschäftskundenmarkt mit steigenden Kundenzahlen zu erwarten ist und wie die ökologischen Effekte sein werden, soll untersucht werden.

Die Ergebnisse der geplanten Untersuchungen und umfangreichen empirischen Erhebungen, sollen für Deutschland hochgerechnet und zu Szenarien (Zeithorizont 2020) verdichtet werden. Die Szenarien sollen auch die voraussichtliche Verkehrsentwicklung abbilden und damit zeigen, welchen Stellenwert Car-Sharing vor diesem Hintergrund zukünftig sowohl in verkehrlicher als auch in ökologischer Hinsicht vermutlich haben wird.

"Wir wissen", so Projektleiter Georg Wilke, "dass dieser Versuch, in die Zukunft zu blicken, methodisch schwierig ist und natürlich keine Vorhersage sein kann. Mit unseren Untersuchungen möchten wir denkbare Entwicklungspfade und Zukünfte von Car-Sharing aufzeigen. Wir hoffen, damit einen Beitrag zur Verbesserung der Grundlagen für künftige verkehrs- und umweltpolitische Entscheidungen im Car-Sharing-Bereich leisten zu können."

Das bis Mitte 2005 laufende Projekt, das sich auf die städtischen Verdichtungsräume konzentriert, wird zusammen mit Partnern von verschiedenen Universitäten bearbeitet. Dem Forschungsteam ist ein Beirat aus Vertreterinnen und Vertretern von Car-Sharing-Anbietern, Forschungs- und Verkehrsministerium und verschiedener Verbände zur Seite gestellt.

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